595 Jahre Linda in 45 Minuten
Historischer Festzug: Über 30 Bilder gestaltet - Buntes Programm für die ganze Familie von Andreas Richter, 04.09.05, 19:02h, aktualisiert 04.09.05, 20:12h
Mitwirkende und Zuschauer hatten gleichermaßen ihren Spaß am großen historischen Festzug in Linda. Damit wurde der 595. Geburtstag des kleinen Ortes begangen. (MZ-Foto: Andreas Richter)
Linda/MZ. Wilfried Viehof fiel am späten Sonntagvormittag ein ziemlich großer Stein vom Herzen. Der Chef des sechsköpfigen Organisationskomitees "Historischer Festzug zum 595. Geburtstag von Linda" konnte zufrieden sein. Mit der Premiere eines Umzuges in dieser Größenordnung. Auch wenn nicht alles wie geplant geklappt habe, wie Wilfried Viehof am Rande kritisch bemerkte. Vor dem Start des Festzugs geriet nämlich die Stellplatzordnung ein wenig durcheinander. Vor allem weil einige ziemlich spät am Ort des Geschehens erschienen. Der Chef hatte so seine Mühe, die Wagen und Teilnehmer immer an die richtige Stelle zu bekommen und aufzupassen, dass die Straßen zwischen Gaststätte und Kirche nicht gänzlich verstopft wurde. "Das klappte noch nicht ganz reibungslos, aber der Rest war super. Es war ja eine Premiere, und da kann auch mal etwas nicht ganz so laufen wie gedacht." Ansonsten können der ehemalige Chef der Feuerwehr und all jene, die die Idee zu dem "Geburtstagsfest" hatten und diese mit umsetzen halfen, sicherlich eine positive Bilanz ziehen. Eine für Lindaer Verhältnisse außerordentlich große Zahl an Mitwirkenden, schönstes Wetter, viele Zuschauer und nicht zuletzt viele gute und liebevoll umgesetzte Ideen, das steht auf jedem Fall in der Bilanz. Rund 45 Minuten benötigten die Aktiven auf ihrer Runde durch den Ort. Zu sehen gab es viel. So Feuerwehrtechnik der verschiedensten Art. Angefangen von der handgezogenen Spritze bis hin zum modernen Löschfahrzeug heutiger Tage. Die Rassegeflügelzüchter hatten kurzerhand einige ihrer schönsten Tiere auf einen großen Anhänger verladen, die Dorfspektakel-Damen wollten zeigen, wie schick selbst in der Schwangerschaft Bäuerinnen hinaus auf Feld zogen. Für die Herren dürfte die mitgeführte Technik interessant gewesen sein. Etliche historische Traktoren, darunter wunderbar gepflegte Lanz-Bulldogs, konnten betrachtet werden. Oder die schicke Schwalbe von Lindas Gemeindeschwester Agnes. Dass es in Linda einmal eine Schule gab, dies war beim Umzug ebenfalls zu erfahren. Nicht fehlen durfte natürlich auch eine Abordnung der Grün-Weiß-Sportler. Die Teilnehmer hatten auf jeden Fall sichtlich Spaß am Sonntagvormittag. Und sie kamen nicht nur aus Linda, aus dortigen Vereinen oder Unternehmen oder hatten sich auf privater Basis zusammengefunden. Auch aus umliegenden Orten hatten sich Gäste auf den Weg in den Jessener Stadtteil gemacht. So aus Stolzenhain oder Großkorga, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wem beim Vorbeiziehen nicht genügend Zeit zum Schauen blieb, der hatte nach dem Umzug Gelegenheit, sich die einzelnen Wagen noch einmal in aller Ausführlichkeit zu betrachten. Sie wurden in der Hauptstraße geparkt. Teilnehmer und Zuschauer konnten aber noch einiges mehr erleben. Es gab sozusagen einen großen Familiensonntag. So war nicht allein bestens für Speisen und Getränke gesorgt. Die Kirche des Ortes und das erst kürzlich eröffnete Heimatmuseum luden zu einem "Tag der offenen Tür" ein. Die Jäger hatten zum Geburtstag ihres Heimatortes eine kleine Trophäenschau im Saal der Gaststätte vorbereitet. Ganz nebenbei wurde übrigens darüber geplauscht, wann denn der nächste Umzug in Linda stattfinden könnte. Vielleicht zur 600. Jahrfeier in fünf Jahren? Wilfried Viehof steuerte nach Ende des Spektakels als Erstes den Getränkewagen vor der Gaststätte an. Denn "wenn alles so gut klappt, kann man sich auch schon mal ein Bierchen gönnen". So seine abschließende Feststellung. |